KR-Sitzung, Mittwoch, 05. Juli 2023

Traktandum 9
Interpellation Fraktion FDP.Die Liberalen: Stromversorgung sichern über lange Laufzeiten und Technologieoffenheit gegenüber Kernkraftwerken neuer Generation

 

Geschätzte Kantonsratspräsidentin
Geschätzte Regierung
Liebe Kolleginnen und Kollegen

Ich habe in den 90er Jahren das Informations- und Ausbildungszentrum für die Kernkraftwerk Leibstadt AG gebaut und mich dann und auch jetzt mit dieser Interpellation zum Thema Kernenergie befasst. Die Zeiten haben sich seit dem Projekt Leibstadt aber verändert.

Das Bundesamt für Sicherheit der nuklearen Entsorgung hat am 10. März 2021 ein umfangreiches Gutachten zu den Mini-Kernkraftwerke präsentiert.

In der kritischen Gesamtbewertung heisst es: Keine der diskutierten Technologien ist derzeit bzw. absehbar am Markt verfügbar. Gleichzeitig werden sie mit ähnlichen Versprechen wie zu den Reaktoren in den 1950ern und 1960er Jahren des vergangenen Jahrhunderts angepriesen.

Gegenüber Atomkraftwerken mit grosser Leistung könnten zwar einzelne Mini-Kernkraftwerke potenziell sicherheitstechnische Vorteile erzielen, da sie pro Reaktor ein geringeres radioaktives Inventar aufweisen. Die hohe Anzahl an Reaktoren, die für die gleiche Produktionsmenge an elektrischer Leistung notwendig ist, erhöht das Risiko jedoch insgesamt um ein Vielfaches.

Die Mini-Kernkraftwerke sind in der Entwicklungsphase. Die Abfallproblematik bleibt unverändert, ebenso das Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung.

Bei einem Wiedereinstieg in die Atomenergie wären wiederum lange Betriebs-, Sicherheits- und Störfallrisiken in Kauf zu nehmen. Umfangreiche Zwischenlager- und Brennstofftransporte wären weiterhin erforderlich. Auch ein Endlager wäre in jedem Fall weiter erforderlich.

Die Fraktion SP / junge SP ist mit der Beantwortung durch den Regierungsrat einverstanden. Sie ist überzeugt, die Energieperspektive 2050+ zeigt, dass die Schweiz ihre Energieversorgung bis 2050 klimaneutral umbauen kann.

«Technologieoffenheit» heisst für die SP/junge SP, die vorhandenen Technologien weiterzuentwickeln und so das Klimaziel Netto-Null zu erreichen, auch mit der Versorgungssicherheit, aber ohne Kernenergie.

 

 

Remo Bill, Kantonsrat SP, Grenchen